Monumental

Das Grüne Band auf dem Weg zum Nationalen Naturmonument
Thüringen macht den Anfang

Phänomenal
Entdecken Sie
das Grüne
Band Thüringen

Das Grüne Band

International
Ein Grünes
Band durch
ganz Europa

Der Eiserne Vorhang trennte von 1945 bis 1989 ganz Europa. In seinem Schatten entwickelte sich ein weltweit einzigartiges, zusammen­hängendes Band vielfältiger Lebens­räume, die anderswo bedroht oder ganz verschwunden sind – auf über 12.500 km Länge in Europa und 1.400 km in Deutschland.

Auch in Thüringen ist das Grüne Band als Verbund seltener Biotope besonders wertvoll und schützenswert. Diese einmalige Verbindung von Natur und Geschichte macht es zu einem ganz besonderen Ort und hat die Bewohner der Region geprägt.

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie.
Diese Entwicklung ist sensationell. Dafür verdient das Grüne Band eine monumentale Anerkennung – bis spätestens 2018 wird der Thüringer Teil als Nationales Naturmonument ausgewiesen. www.europeangreenbelt.org

Naturmonument

Denkmal!
Thüringen macht den Anfang

Nach dem Vorbild der National Monuments in den USA schuf der Bundestag im Jahr 2009 eine neue Schutzgebietskategorie – das Nationale Naturmonument. Damit können herausragende Gebiete aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit und ihrer wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Besonderheit geschützt werden.

Als erstes Bundesland weist Thüringen das Grüne Band als Schatzkammer der Artenvielfalt und lebendiges Denkmal der Geschichte als Nationales Naturmonument aus.

Naturmonument

Merkmal
das hat Schutzwert

Das Grüne Band verbindet als halboffene, teils extensiv genutzte Struktur unterschiedliche Lebensräume miteinander und stellt ein Rückgrat im Biotopverbund dar, das sich auch an der Vielzahl der Schutzgebiete auf beiden Seiten erkennen lässt. Im Grünen Band Deutschland finden sich mehr als 1.200 Arten der Roten Liste Deutschlands.

Mit seiner Verbindung aus Natur und Geschichte hat das Grüne Band als Naturschutzprojekt ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Hier treten Habitate auf, die früher typisch für unsere Kulturlandschaft waren, aber aufgrund der Nutzungsintensivierung selten geworden sind. Wo früher die Grenze Familien und Freunde trennte, lädt das Grüne Band heute zur gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte ein.

Geschichte

Brutal
die inner- deutsche Grenze

1945 Nach dem Ende des 2. Weltkriegs übernehmen die Alliierten Frankreich, Großbritannien, USA und Sowjetunion die Verwaltung der vier Besatzungszonen und Berliner Sektoren im besiegten Deutschland.
Die Demarkationslinie zwischen den Zonen wird mit Holzpfeilern und Farbe an Bäumen markiert. Der kleine Grenzverkehr ist für Landwirte und Arbeitspendler möglich.

1946 Churchill erklärt in seiner berühmten Iron-Curtain-Rede: „Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang auf Europa herabgesenkt.“
Mit der Abschottung des Ostblocks beginnt der Kalte Krieg. Im Juni sperrt die Sowjetische Militärverwaltung die Demarkationslinie zu den westlichen Besatzungszonen – mit Einführung des Interzonenpasses ist die Grenze nur noch eingeschränkt passierbar.

1949 Mit der Gründung der beiden deutschen Staaten wird aus der Zonengrenze die deutsch-deutsche Grenze.
Die ersten Wachtürme aus Holz werden errichtet, zusätzlich zu den seit 1947 aufgestellten Hindernissen aus Stacheldraht in Waldgebieten und an schwer einsehbaren Stellen und den Straßensperren an grenzüberschreitenden Straßen und Wegen.

Geschichte

1952 Entlang der Grenze wird neben einem 10 m breiten Kontroll- und einem 500 m breiten Schutzstreifen eine 5 km breite Sperrzone eingerichtet. Den Einwohnern des Sperrgebiets sind Ein- und Ausreise nur mit Passierschein und Kontrollen möglich. Westbesuch ist verboten und selbst Verwandte und Freunde aus der DDR brauchen Besuchsgenehmigungen.
Die „Aktion Ungeziefer“ bedeutet die Zwangsumsiedlung für viele „nicht vertrauenswürdige“ Familien.

1961 Nach dem Bau der Berliner Mauer wird der Kontrollstreifen an der innerdeutsche Grenze zum Todesstreifen ausgebaut: Minen, Selbstschussanlagen und Schießbefehl sollen Fluchtversuche in den Westen verhindern.
Mit der „Aktion Kornblume“ werden nochmals viele Anwohner aus dem Sperrgebiet zwangsumgesiedelt. Insgesamt waren von beiden Aktionen mehr als 11.000 Menschen betroffen.

Final
das Ende des eisernen Vorhangs

1989 Im Frühjahr lockert Ungarn die Sicherung der Grenze zu Österreich und setzt den Schießbefehl aus. Ein „Loch“ im Eisernen Vorhang tut sich auf und löst eine Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen aus.
Die friedliche Revolution führt zum Fall der Mauer am 9. November 1989 und zur Grenzöffnung. Bereits am 9. Dezember treffen sich auf Einladung des BUND 400 Naturschützer aus Ost und West und verabschieden eine Resolution zum Schutz des Grünen Bandes.

Geschichte

Zentral
vom Todes- streifen zur Lebenslinie

1990 Der BUND veranstaltet eine erste Pressefahrt am Grünen Band. Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz werden erstmals die hier lebenden Arten, darunter viele seltene Vogelarten, erfasst.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten beginnt im November eine West-Ost-Initiative aus Naturschutz, Kunst, Kommunen und Wirtschaft mit der Pflanzung des BAUMKREUZES bei Ifta.

1996 Das Mauergrundstücksgesetz regelt die Ansprüche der früheren Besitzer. Die Grundstücke entlang der ehemaligen Grenze werden den ehemaligen Eigentümern zum Rückkauf angeboten. Alle nicht von Rückerwerbsanträgen betroffenen Grundstücke können ohne Rücksicht auf Naturschutzaspekte auf dem freien Markt verkauft werden.
Sachsen stellt sein gesamtes Grünes Band unter Schutz.

1998 Bayern und Thüringen starten das erste grenzüberschreitende Arten- und Biotopschutzprojekt „Steinachtal Lindner Ebene“:
Modellhaft werden das Grüne Band gesichert und Achsen ins Umland entwickelt. Zwei Jahre später erwirbt der BUND die ersten Flächen im Grünen Band – mit der Hilfe von Spendern, die den Erhalt des Grünen Bandes sicherstellen wollen.

Geschichte

2002 Gorbatschow weiht das WestÖstliche Tor im Eichsfeld als Symbol für die Überwindung der Teilung ein. Mit der Initiative Grünes Band Europa erhält das Engagement für die ehemaligen Grenzflächen eine neue Dimension.
Von der Ostsee bis nach Sachsen findet eine erste flächendeckende Bestandserfassung im Grünen Band statt. Die Ergebnisse belegen seinen Wert für die Artenvielfalt und als Biotopverbund.

2010 Nach langem Ringen um ihren Erhalt für den Naturschutz werden die  bundeseigenen Flächen im Grünen Band an die Länder übertragen.
Der Schluss von Lücken im Grünen Band und die naturschutzgerechte Pflege von wertvollen Magerrasen und Zwergstrauchheiden beginnt – großenteils durch engagierte Schäfer. Aber auch viele Freiwillige pflegen die Biotope vor Ort.

Monumental
Natur und Erinnerung

2016 Der Freistaat Thüringen plant die Ausweisung von 763 km Grünes Band als Nationales Naturmonument. Damit kann das Grüne Band endlich einen flächenhaften Schutz erhalten.
Der BUND setzt sich weiterhin dafür ein, dass das gesamte Grüne Band Deutschland als Teil des europäischen Biotopverbunds European Greenbelt dauerhaft gesichert und entwickelt wird.

Die Multivisionsshow

Lokal
Mario
Goldstein
Live

Trailer

Das Abenteuer am Grünen Band Thüringen geht weiter:
Bis spätestens Anfang 2018 soll das Gesetz zur Ausweisung als Nationales Naturmonument verabschiedet sein. Als Botschafter für das Grüne Band Thüringen geht der Abenteurer Mario Goldstein ab Oktober 2017 auf Tour – mit den schönsten Bildern seiner Wanderung.

Im Sommer 2016 stellte sich der ehemalige Grenzflüchtling seiner eigenen Geschichte, traf Menschen mit packenden Lebens­geschichten und entdeckte Abenteuer und Vielfalt mitten in Deutschland. In der Multivisionsshow vermittelt er seinem Publikum in eindrucksvollen Bildern, Interviews und Videos das Gefühl, hautnah dabei gewesen zu sein. Erleben Sie mit ihm das zukünftige Nationale Naturmonument! Der Eintritt ist frei. www.mario-goldstein.de

FAQ

Zehnmal
Die wichtigsten Fakten zum
grünen Band

Was ist das Grüne Band?

Der Eiserne Vorhang trennte von 1945 bis 1989 Europa in zwei Welten. Entlang der streng bewachten Grenze konnte sich die Natur entwickeln – von Menschen kaum gestört. So entstand ein monumentales, weltweit einzigartiges, zusammenhängendes Band vielfältiger Lebensräume, die anderswo bedroht oder ganz verschwunden sind.

Dieser europäische grüne Korridor ist über 12.500 km lang, durchquert heute 24 Staaten und zieht sich von der eiskalten Barentssee an der Grenze von Skandinavien zu Russland bis hinunter zu den warmen Küsten des Mittelmeeres in Albanien und des Schwarzen Meeres in Bulgarien.
Dabei verbindet das Grüne Band ganz unterschiedliche Biotope miteinander. Seltene Tiere und Pflanzen können sich entlang dieses Bandes ausbreiten und zwischen geeigneten Lebensräumen größtenteils gefahrlos wandern. Große Teile wurden unter Naturschutz gestellt, damit die erstaunliche biologische Vielfalt an der ehemaligen Grenze erhalten bleibt.
Das Grüne Band erinnert als lebendes Denkmal an das Leid des Kalten Krieges und ist ein Symbol für die friedliche Revolution. Seine Entwicklung vom Todesstreifen zur Lebenslinie ist einmalig. Es muss bewahrt werden, denn was könnte das einstmals geteilte Europa besser verbinden als die Natur, für die die ehemalige Grenze nie eine wirkliche Barriere war?

www.europeangreenbelt.org

WAS IST EIN NATIONALES NATURMONUMENT?

Mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 2009 wurde vom Bundestag eine neue Schutzgebietskategorie geschaffen – das Nationale Naturmonument. Damit können herausragende Gebiete für ihre nationale Bedeutung gewürdigt werden. Im Unterschied zu Nationalparks können Nationale Naturmonumente kleinflächiger und vom Menschen beeinflusst sein. Das Ausweisungskriterium der nationalen Bedeutung der Gebiete haben sie jedoch gemeinsam. Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten spielt bei Nationalen Naturmonumenten (NNM) der Kulturwert neben dem Naturwert eine wichtige Rolle. Die zwei ersten Nationalen Naturmonumente wurden im August 2016 und April 2017 ausgewiesen. Es handelt sich um den 75 ha großen Hutewald der Ivenacker Eichen in Mecklenburg- Vorpommern und um die Bruchhauser Steine mit ihrer arktisch-alpiner Flora im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Das Grüne Band Thüringen wäre somit mit ca. 6.850 ha das erste großflächige Nationale Naturmonument (vgl.: www.bfn.de/themen/gebietsschutz- grossschutzgebiete/nationale-naturmonumente.html)

Bundesnaturschutzgesetz §24, (4):

„Nationale Naturmonumente sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die

  1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und
  2. wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit
von herausragender Bedeutung sind. Nationale Naturmonumente sind wie Naturschutzgebiete zu schützen.“

Warum ist das Grüne Band so schützenswert?

Im Zuge der innerdeutschen Grenzsicherung wurde in Deutschland ein durchschnittlich 111m breiter und 1.393 km (in Thüringen 763 km) langer und wenig zerschnittener Streifen freigehalten. Dadurch entstand eine halboffene Landschaft mit Rohbodenstandorten und Altgrasfluren mit einzelnen Gehölzen, Mooren, Heiden und Flussauen. Durch den Verzicht auf Düngung hatte eine Vielzahl konkurrenzschwächerer Kräuter eine Chance und mit ihnen seltene Insekten, die oft an spezifische Blütenpflanzen gebunden sind. Entlang dieses Streifens konnten sich viele seltene Tiere und Pflanzen fortbewegen, die in der übrigen Landschaft Probleme hatten, von einem Biotop zum nächsten zu gelangen. In dem unter strengster Bewachung selten gemähten Grasland fühlte sich auch eine Vielzahl bodenbrütender Vogelarten wohl. Der Grenzstreifen entwickelte sich zu einem Refugium seltener Arten, die aus der immer intensiver genutzten Landschaft verschwanden. Er wurde zum längsten Biotopverbund Mitteleuropas, den die verschiedensten Arten nutzen von: Wildkatze, Fischotter und Luchs bis zur Wanstschrecke.

Trotz des zunehmenden Nutzungsdrucks nach dem Mauerfall und Veränderungen durch Landbewirtschaftung bzw. Nutzungsaufgabe blieb ein ein Großteil der wertvollen Biotope und Arten wie auch die Biotopverbundfunktion erhalten, wie flächendeckende Bestandserfassungen des Bundesamtes für Naturschutz 2001 und 2012 und regelmäßiges Monitoring ausgewählter Flächen belegen.

Was macht das Grüne Band so besonders?

Bereits in den 70er Jahren entdeckten Naturschützer aus der BRD, dass ausgerechnet der menschenfeindliche Todesstreifen sich zu einem Rückzugsraum der Natur entwickelt hatte und tauschten sich mit Freunden aus der DDR über ihre Funde aus, streng beobachtet von der Staatssicherheit. Gleich nach dem Mauerfall, im Dezember 1989, organisierte der BUND ein Treffen von Naturschützern aus Ost und West zur besonderen Bedeutung des Grenzstreifens für die Natur. 400 Teilnehmer verabschiedeten eine Resolution zum Schutz dieses „grünen Bandes“. Seitdem engagieren sich eine Vielzahl von Menschen, die früher durch die Grenze getrennt waren, gemeinsam für den Erhalt dieses Grünen Bandes als Perlenkette der Natur, lebendiges Denkmal der Geschichte und Begegnungsort. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von 24 Ländern auf europäischer Ebene entlang des „Grünen Bandes Europa“ ist ebenso einzigartig wie die Zusammenarbeit über Fachgebietsgrenzen hinweg. Das Grüne Band als lebendige Spur der Geschichte in der Landschaft trägt zudem dazu bei, dass sich Menschen aus Ost und West und verschiedenen Generationen ihre Geschichten erzählen und ist somit ein aktiver Beitrag zur Aufarbeitung der deutsch-deutschen und europäischen Geschichte.

www.bund.net/gruenes-band

Soll man die Natur am Grünen Band sich selber überlassen oder darf es noch genutzt werden?

Um Flüchtende schnell erkennen zu können, wurde der Todesstreifen in regelmäßigen Abständen freigehalten. Nur direkt an der Landesgrenze selbst wurde oft das Aufkommen von Bäumen und Sträuchern toleriert. Dadurch hat sich eine halboffene Landschaft entwickelt, die vor allem von Arten des Offenlandes genutzt wurde, die früher in unserer traditionell genutzten Kulturlandschaft typisch waren.

Artenvielfalt braucht beides: Wildnis vor allem im Gebiet alter Wälder und in strukturarmen Regionen und Landschaftspflege gerade auf nährstoffarmen Standorten z.B. der Mittelgebirge und im Grünen Band. Hier erhalten Mahd und Beweidung u.a. seltene Bergwiesen und Borstgrasrasen, Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden und Feuchtwiesen für Mensch und Natur. In Bereichen, in denen die Offenhaltung nicht möglich ist, ist im Grünen Band eine allmähliche Entwicklung zu Naturwäldern vorgesehen.

Da das Grüne Band eine besondere Bedeutung für den Offenland-Biotopverbund besitzt, ist eine extensive Mahd oder Beweidung auf einem Großteil der Flächen explizit erwünscht. Gerade für Wanderschäfer hat das Grüne Band eine besondere Bedeutung, da durchgehende Wanderrouten selten geworden sind und die Schäfer über das Grüne Band auch zu anderen wertvollen Biotopen gelangen. Das Grüne Band hat sich zu einem Anziehungspunkt für Landnutzer entwickelt, die Wert auf traditionelle und naturnahe Nutzungsformen legen. Eine Beweidung mit Schafen, Ziegen, Robustrindern und Konikpferden, aber auch die Mahd einzelner Flächen mit einfachen Mitteln als gemeinschaftliches Erlebnis tragen zu einem besonderen Landschaftserleben für Anwohner und Touristen bei. Extensive Nutzung schafft zudem mehr Arbeitsplätze als eine weitgehend maschinisierte Intensivnutzung, die nicht nur im Grünen Band die Artenvielfalt beeinträchtigt. Durch Entbuschungsmaßnahmen hat der Naturschutz neue landwirtschaftlich nutzbare Fläche geschaffen, die bisher z.B. von Fichtenjungwuchs überwuchert waren.

Warum soll das Grüne Band Thüringen Nationales Naturmonument werden?

Die Ausweisung als Nationales Naturmonument ermöglicht den Schutz des Grünen Bandes vor weiteren Eingriffen, den Erhalt und die Weiterentwicklung der Biotopverbundfunktion und das Bewahren seiner kulturhistorischen Bedeutung besser als jeder andere Schutzstatus. Mit der Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument wird auch dem Hauptziel, den gesamten ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen als einzigartigen nationalen Biotopverbund und als lebendiges Denkmal der deutschen Geschichte zu erhalten und zu entwickeln, Rechnung getragen. Naturschutz ist Ländersache, d.h. auch ein Nationales Naturmonument wird vom Bundesland ausgewiesen. Mit seinen 763 km Länge hat Thüringen den größten Anteil am längsten Biotopverbund Deutschlands. Der Freistaat Thüringen hat bereits bei der Flächenübertragung und bei der aktiven Teilnahme an deutschen und internationalen Grünes-Band-Projekten zur Entwicklung des Grünen Bandes eine Vorreiterrolle eingenommen und möchte dies auch bei der Ausweisung tun. Doch auch andere Bundesländer bereiten sich auf eine Ausweisung ihres Teils des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument vor.

www.bund-thueringen.de/gruenes-band www.stiftung-naturschutz-thueringen.de

Erfüllt das Grüne Band Thüringen die Kriterien für ein Nationales Naturmonument?

Das Grüne Band ist der längste Biotopverbund Deutschlands, der auf 1.393 Kilometern fast alle Naturräume Deutschlands miteinander verbindet und damit eine Ausbreitung der unterschiedlichsten Arten von einem wertvollen Lebensraum zum nächsten ermöglicht. Durch seine Strukturvielfalt wird das Grüne Band von Arten des Offenlandes und des Waldes, der feuchten und der trockenen Biotope genutzt. Dabei stellen gerade in ausgeräumten Landschaften sogar weniger gut erhaltene Bereiche wichtige Vernetzungselemente dar, wie beispielsweise Beobachtungen von Luchs oder Wanstschrecke zeigen.

Verschiedenste Erhebungen haben belegt, dass das Grüne Band auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch Rückzugsraum für eine Vielzahl seltener Arten im Grünen Band ist, wie Braunkehlchen, Wanstschrecke, Thymian-Ameisenbläuling oder Frauenschuh. Manche davon haben ihre letzten Vorkommen im oder in unmittelbarer Nähe des Grünen Bandes.

Das Grüne Band ist in seiner Kombination aus seltenen Biotopen und den Spuren der deutsch-deutschen Geschichte einzigartig. Es ist als Ganzes lebendige und damit veränderliche Spur der Geschichte in der Landschaft, die in enger Verzahnung der naturschutzfachlichen Ausprägung mit dem Landschaftserleben und der kulturhistorischen Bedeutung zu Erinnerungskultur und Aufarbeitung der deutschen Teilung und Wiedervereinigung beiträgt.

Wie das große Interesse aus anderen Ländern wie z.B. Korea zeigt, ist es aus landeskundlicher Sicht außergewöhnlich, wie sich aus einem Todesstreifen eine Lebenslinie entwickelt hat, wie mit der Erinnerung an die Grenze, aber auch den Hinterlassenschaften eines anderen Systems bzw. dem unmittelbaren Zusammentreffen beispielsweise unterschiedlichen Nutzungsstrukturen auf beiden Seiten und dem Aufeinandertreffen von Naturschutz und Erinnerungskultur umgegangen wird. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten unterschiedlicher Disziplinen hat sich bereits mit dem Grünen Band beschäftigt.

Das Bundesamt für Naturschutz als wissenschaftliche Behörde der Bundesrepublik Deutschland für den nationalen und internationalen Naturschutz, die bereits zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Grünen Band Deutschland durchgeführt hat, bewertet im Übrigen die geplante Ausweisung des Grünen Bands in Thüringen als NNM-angemessen. Das Vorhandensein von nach der Wende entstandenen Lücken im Grünen Band wird dabei eher als Beleg für seine Schutzbedürftigkeit gewertet. Glücklicherweise geht schon aufgrund der Flächenübertragung bundeseigener Flurstücke an die Stiftung Naturschutz Thüringen der Anteil an Lücken im Grünen Band derzeit zurück. Fazit: Das gesamte Grüne Band Thüringen ist aufgrund seiner nationalen Bedeutung als Lebensraum seltener Arten, Biotopverbund, der besonders repräsentative Lebensräume von nationaler Bedeutung miteinander verbindet, und Erinnerungslandschaft der innerdeutschen Geschichte als Nationales Naturmonument schützenswert. Nur die Ausweisung des gesamten Grünen Bandes wird dieser national bedeutsamen Funktion als Biotopverbund und Erinnerungslandschaft gerecht.

www.bfn.de/themen/gebietsschutz-grossschutzgebiete/nationale-naturmonumente.html

Wird im Nationalen Naturmonument Grünes Band die Geschichtsaufarbeitung vernachlässigt?

Auch wenn die Idee des Grünen Bandes von aktiven Naturschützern entwickelt wurde – von Anbeginn war allen Akteuren bewusst, dass der frühere Todesstreifen zu viel Leid geführt hatte, dass an der ehemaligen Grenze Menschen getötet, Familien und Freunde getrennt, Anwohner zwangsausgesiedelt und bespitzelt wurden und auch viele Grenzer dem inneren Druck nicht standgehalten und den Selbstmord gewählt hatten. Die ersten jugendlichen Erforscher der Artenausstattung des Grünen Bandes waren bei ihren Erfassungen von der Stasi beobachtet worden, sie konnten sich im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs nur auf der DDR-Seite treffen und glaubten nicht an die Möglichkeit des ungehinderten Gegenbesuchs. Viele der ersten Akteure am Grünen Band kamen aus der Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung der DDR.

Das Einzigartige am Projekt Grünes Band war von Anfang an die Idee, aus dem menschenfeindlichen Todesstreifen eine Lebenslinie zu machen, aus der trennenden Grenze eine Begegnungszone zu schaffen, ein Ort, der Familien anregt, ihre Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, der Menschen aus Ost und West dazu bringt, sich die unterschiedlichen Lebensgeschichten zu erzählen und eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

Das Grüne Band regt als lebendige Spur der Geschichte in der Landschaft dazu an, sich konstruktiv und gemeinsam mit den Themen Demokratie und Freiheit, Landnutzung und Naturschutz und der deutschen Teilung auseinanderzusetzen. Es gibt bereits seit langen Jahren eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und den Grenzlandmuseen, z.B. bei Bildungsprojekten.

Verträgt sich die Ausweisung als Nationales Naturmonument mit einer touristischen Entwicklung?

Ja! Bereits jetzt zieht das Grüne Band eine Vielzahl an Touristen aus dem In- und Ausland in die ehemaligen Grenzregionen. Die Menschen kommen, um Natur und Landschaft zu erleben und gleichzeitig etwas über die innerdeutsche Geschichte und die Menschen in den ehemaligen Grenzregionen zu erfahren. Daher soll auch für ein Nationales Naturmonument Grünes Band das Prinzip gelten: Jeder Fußgänger darf das Grüne Band erleben, denn nur wer die Natur kennt, ist auch bereit, sie zu schützen. Es gab bereits mehrere Projekte zur Erlebbarmachung des Grünen Bandes.
So wurden im Projekt „Erlebnis Grünes Band“ modellhaft Angebote für Touristen entwickelt, wie z.B. sog. Audiotouren mit Zeitzeugenberichten und naturkundlichen Informationen. Landschaftspflegemaßnahmen wurden durchgeführt, die seltenen Arten wie Arnika und Wiesenknopf-Ameisenbläuling nutzen oder auch dem Wanderer, der sonst in Fichtenforsten den Überblick verlieren würde, tolle Bergwiesentälchen erschließen.

Welchen Mehrwert haben die ehemaligen Grenzregionen von einem Nationalen Naturmonument Grünes Band?

Die Einzigartigkeit des Grünen Bandes als Schatzkammer der Artenvielfalt und Erinnerungslandschaft hat bereits eine Vielzahl von Menschen in die meist abgelegenen Regionen des Grünen Bandes gelockt und diese bekannter gemacht. Das Grüne Band scheint sich zu einem Anziehungspunkt für Liebhaber der Natur und traditioneller Bewirtschaftungsformen entwickelt zu haben. Dort, wo lokale Akteure sich langfristig für eine sanfte Landentwicklung einsetzen, können durch die speziellen Stärken des Grünen Bandes durchaus Arbeitsplätze in Tourismus, Gastronomie und Vermarktung regionaler Produkte entstehen, wie es in anderen Großschutzgebieten bereits der Fall ist. Eine Auszeichnung als Nationales Naturmonument erhöht dabei definitiv die Attraktivität für die Landschaften und ihre Produkte.